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Frankfurter Allgemeine Zeitung
Donnerstag, 18. September 2008

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Da geht den Frankfurtern ein Licht auf – neue Beleuchtung der Zeil.
Foto Wolfgang Eilmes

Städte im Lampenfieber
Straßenlampen machen die Nacht zum Tag. Aber sie verbrauchen viel Strom. Neue Modelle sind sparsam, einige Kommunen rüsten um.

Und Gott sprach: „Es werde Licht! Und es ward Licht.“ (1. Mose 1, Vers 3). Das wollten die Leute im 19. Jahrhundert nicht ändern: Als man von Pechfackeln auf mit Gas betriebene Straßenleuchten umsteigen wollte, erschien das vielen als ein Eingriff in die göttliche Ordnung.

Solche Probleme hat die heutige Lichtindustrie nicht mehr: Philips Lighting, ein Unternehmenszweig der Philips GmbH, hat seinen Gewinn innerhalb eines Jahres von 135 Millionen Euro im 4. Quartal 2006 auf 185 Millionen Euro im selben Zeitraum 2007 gesteigert. Dabei stieg auch der Umsatz von 1,45 Milliarden Euro im letzten Jahresviertel 2006 auf 1,49 Milliarden Euro im letzten Quartal 2007. Philips Lighting hat nach eigenen Angaben als Erster eine Straßenlaterne gebaut, die mit leitfähigem Plasma betrieben wird. Sie braucht 50 bis 75 Prozent weniger Energie als herkömmliche Quecksilberdampflampen. „Allerdings verbrauchen Natriumdampflampen noch weniger Strom. Jedoch werden diese aufgrund ihres orangegelben Lichts eher für die Beleuchtung von Autobahnen und nicht für den normalen Stadtstraßenverkehr genutzt, da Farbsehen bei dieser Lampe nur schlecht möglich ist“, sagt Bernd Glaser, Pressesprecher von Philips Lighting.

Viele Kommunen scheuen aufgrund hoher Kosten die Investition in eine neue Straßenbeleuchtung. Jörg Kupferschlaeger, Produktmanager für Außenbeleuchtung von Philips Lighting, rechnet allerdings vor, dass sich eine neue Anlage schon nach drei bis acht Jahren amortisiert. Das Unternehmen berät deshalb die Gemeinden. „Außerdem machen sich die Kommunen aufgrund ihrer schlechten Haushaltslagen vermehrt Gedanken darum, wie sie Geld sparen können“, sagt Glasers Kollegin Simone Maaß. Das zeigt eine Pilotanlage in Böblingen: Jeweils zwei alte Lampen mit 80 Watt wurden durch eine moderne Lampe mit 60 Watt ersetzt. Obwohl die Leistung, die für die Beleuchtung eines Kilometers Straße benötigt wird, von gut 5 auf weniger als 2 Kilowatt gesunken ist, liegt die Leuchtdichte wesentlich höher. Bei einer Lebensdauer von 30 Jahren werden etwa 248000 Kilowattstunden je Kilometer eingespart, das entspricht mehr als 100 Tonnen Kohlendioxid – und nach derzeitigen Preisen 37000 Euro.

„Die Stadt Böblingen hat bis jetzt schon 300 Lampen aufgestellt, möchte allerdings in den nächsten zwei Jahren noch 1600 bis 2000 Lampen auf die neue Technik umstellen“, sagt Reinhard Schopf von der Stadtverwaltung. Die Umrüstung begann im November 2006 und wird stetig fortgesetzt. „Eine komplette Leuchte kostet zwischen 300 und 5000 Euro“, sagt Schopf. Der gesamte Austausch ist mit 740000 Euro veranschlagt. In Böblingen geht man davon aus, dass sich die Investition nach acht bis zehn Jahren amortisiert. Auch in Vechta in Niedersachsen wurden im Rahmen eines Pilotprojekts erstmals 48 Leuchten seit Juli 2006 aufgestellt. Bis Ende 2008 sollen noch 50 weitere hinzukommen. So spart die Stadt jährlich fast 2000 Euro und mehr als 5 Tonnen Kohlendioxid.

Den anderen Unternehmen der Beleuchtungsbranche geht es auch nicht schlecht: Die Osram GmbH aus München, die wie Philips zu den führenden Lichtherstellern der Welt gehört, steigerte ihren Umsatz von 4,56 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2006 auf 4,69 Milliarden im Jahr 2007. Osram hat die Olympia-Stadt Peking mit einer neuen Straßenbeleuchtung ausgestattet. So werden allein mit den 550 Laternen von Osram 880 Megawattstunden Strom und 750 Tonnen Kohlendioxid jährlich eingespart. „Die Absatzmärkte von Osram sind breit gestreut: Wir verkaufen fast überall in der Welt, hauptsächlich allerdings in Europa, Nordamerika und Asien“, sagt Nadine Kleinert, Pressesprecherin von Osram. Der Trend werde wohl stärker in Richtung Asien gehen, da in Zukunft dort viele Städte modernisiert werden. Osram investiert viel in die Entwicklung: 242 Millionen allein im Geschäftsjahr 2007, das entspricht etwa 5 Prozent vom Gesamtumsatz.

Nach Angaben des Zentralverbands Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) konnte die gesamte deutsche Lichtindustrie ein gutes Geschäftsjahr vorweisen: „Die Hersteller elektrischer Lampen sind mit fünf bis sechs Prozent Wachstum im Jahr 2007 sehr zufrieden“, erklärt Robert Pfarrwaller, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Elektrische Lampen. Auch für das laufende Jahr wird ein ähnliches Wachstum erwartet. Und die deutschen Unternehmen expandieren: Das Produktionsvolumen ist im Bereich Elektroleuchten im Jahr 2007 um fast sechs Prozent auf 2,9 Milliarden Euro gestiegen. Nur hinsichtlich der Energieeinsparung auf der Straße gibt es noch Nachholbedarf. „Wenn man alle bestehenden Straßenbeleuchtungsanlagen modernisieren würde, dann könnten bis zu 2,7 Milliarden Kilowattstunden jährlich eingespart werden, was etwa 400 Millionen Euro mehr in den Stadtkassen wären und der Leistung eines ganzen Atomkraftwerks entspricht“, erklärt Wolfram Pajek, technischer Referent des ZVEI-Fachverbands Elektroleuchten. Durch veraltete Anlagen fallen bis zu 50 Prozent des gesamten Energiebedarfs einer Kommune für die Straßenbeleuchtung an. „In ganz Deutschland gibt es etwa 9 Millionen Straßenlaternen“, sagt Jürgen Waldorf, Geschäftsführer der ZVEI-Fachverbände Elektroleuchten und elektrische Lampen. Jedoch haben diese Lampen eine sehr lange Lebensdauer, etwa ein Drittel stammt noch aus den sechziger und siebziger Jahren. Lediglich eine Million Lampen sind mit neuester Technik wie Metallhalogenen ausgerüstet. Zur Marktsituation sagt Waldorf: „Es gibt überwiegend mittelständische Betriebe. Selbst die großen wie Philips beschäftigen nur einen kleineren Teil ihres Unternehmens mit Lichttechnik.“

Unter diesen Mittelständlern herrscht ein strammer Konkurrenzkampf, wie Detlef Hammer, zuständig für den Vertrieb der Hellux GmbH in Bayern, erklärt: „Es gibt circa acht bis zehn starke Wettbewerber, mit denen wir in hartem Konkurrenzkampf stehen. Die Konkurrenz kommt fast ausschließlich aus Deutschland, also haben wir weniger Probleme mit Billigproduzenten aus dem Ausland.“ Der Wettbewerb wird vor allem bei den Ausschreibungen deutlich, wenn der Preis sehr knapp kalkuliert sein muss. Alleinstellungsmerkmale gibt es kaum: „Die Technologie hat jeder auf einem gewissen Stand. Allein davon kann man nicht profitieren, sondern man muss sich in erster Linie durch einen niedrigen Preis auszeichnen“, sagt Hammer. Allerdings kann sich Hellux gut in diesem Konkurrenzkampf behaupten: Allein im Jahr 2007 stellte das Unternehmen in Würzburg 1200 Leuchten auf. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei rund 20 Millionen Euro und ist in den letzten Jahren stets um etwa 5 bis 8 Prozent gestiegen. Das war nicht immer so: „Die neunziger Jahre waren goldene Jahre. Zu dieser Zeit wurden vor allem in den neuen Bundesländern neue Lampen aufgestellt, und die Nachfrage war sehr groß. Mit der Jahrtausendwende ist die Nachfrage aber stark gesunken. Erst in den letzten Jahren hat sie sich wieder erholt“, erläutert Hammer.

Die Anschaffungskosten solcher Straßenbeleuchtungen beginnen etwa bei 200 bis 500 Euro für normale Straßenleuchten und 2000 Euro für dekorative Leuchten. Solche, die Kirchen anstrahlen, kosten zum Beispiel schon etwa 80000 Euro. „Die Kosten hängen allgemein von der benötigten Lichtmenge und damit von der Größe der Straßenlaternen ab. Je größer das Gebäude beziehungsweise je größer die anzustrahlende Fläche, desto größer auch der Preis“, sagt Jürgen Dornberger, Pressesprecher der Würzburger Versorgungs- und Verkehrs-GmbH. Auch bei der Auswahl der Straßenlaternen gibt es ein bestimmtes Konzept, wie Dornberger erklärt: „Es erfolgt eine Ausschreibung, welche die eingesetzte Technik und die Wirtschaftlichkeit zum Inhalt hat. Geachtet wird allerdings auch auf eine gewisse Konstanz bei der Formgebung.“ In Würzburg sind es bis zu 20 unterschiedliche Lieferanten, die für die Belieferung mit Straßenlaternen sorgen. Trotz der Bemühungen um mehr Energieeinsparungen sind es auch in Würzburg überwiegend noch alte Lampen, die das Stadtbild bestimmen: 70 Prozent der etwa 16000 Lampen sind mehr als 10 Jahre alt. Aber es wird stetig auf energiesparende Leuchten umgerüstet: 895 Straßenlaternen wurden allein im Jahr 2007 ausgetauscht, wodurch eine Einsparung von etwa 551000 Kilowattstunden jährlich realisiert werden kann. „Der Trend geht mittelfristig zu Keramikbrenner-Leuchten, also Verbesserungen der jetzigen Natriumdampflampen. Auf lange Sicht – in etwa 10 Jahren – werden wir mit der LED-Beleuchtung ein komplett neues Lampensystem in den Straßen sehen“, prognostiziert Dornberger.

Alexander Fabri
Friedrich-Koenig-Gymnasium, Würzburg


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