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Frankfurter Allgemeine Zeitung
Donnerstag, 18. September 2008 |
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Ein Licht mit gravierender Bedeutung
Vitro Laser ritzt dreidimensionale Bilder von innen ins Glas
Das Prinzip ist einfach: „Eigentlich ist es nur das, was kleine Jungs im Garten mit einer Lupe machen, wenn sie die Strahlen der Sonne einfangen“, erklärt Unternehmenssprecher Björn Lauen die Technik, mit der die Vitro Laser GmbH aus Minden Technologie- und Weltmarktführer geworden ist. Vitro entwickelt Lasersysteme, die es ermöglichen, transparente Materialien hochauflösend von innen zu gravieren, ohne dabei deren Oberfläche zu beschädigen. So entstehen keine Unebenheiten, an denen sich Schmutzpartikel ansammeln können, und die Motive nutzen sich nicht ab.
Die Idee hatte Rémy Renaud, Geschäftsführer und Inhaber des Unternehmens, allerdings nicht selbst, als er die Firma 1998 zusammen mit zwei weiteren Teilhabern gründete. „1988 habe ich das Verfahren zum ersten Mal in Russland gesehen.“ Weil das System aber die Größe eines Kraftwerks gehabt habe und es sehr langsam war, habe er den Gedanken daran zunächst verworfen. Durch Zufall sei er dann auf ein Unternehmen in Sachsen gestoßen, das dieses Verfahren ebenfalls anwendete. Nach Insolvenz des Unternehmens forschte Renaud, der seit 1983 auf dem Gebiet der Lasertechnik tätig ist, zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Lasertechnik in Aachen an der technischen Verfeinerung. „Weltweit sind etwa 750 Lasersysteme im Einsatz. 350 dieser Laser haben wir hergestellt“, gibt Renaud an. „Unser Marktanteil liegt also bei etwa 50 Prozent. Der Rest verteilt sich auf die anderen Unternehmen.“ Alleine in China gebe es sechs davon.
Vitro kämpft außerdem mit Produktpiraterie aus dem Fernen Osten. „In Japan“, ärgert sich Renaud, „hat ein Unternehmen sogar Fotos von unserem Messestand verwendet, um für die kopierten Technologien zu werben.“ Dennoch sehe man nur wenige Möglichkeiten, das zu unterbinden. Vielmehr müsse man durch ständigen Fortschritt dafür sorgen, dass man nicht von der Konkurrenz eingeholt werde. Nicht nur deshalb werden jährlich annähernd acht Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung investiert.
Im vergangenen Jahr lag der Umsatz bei 5 Millionen Euro. „Er könnte weitaus höher sein“, meint Renaud, „allerdings fehlt uns das liquide Kapital, um ausreichend expandieren zu können. Das weltweite Wachstum auf dem Gebiet der Lasertechnik liegt bei 10 bis 15 Prozent.“ 95 Prozent aller im Betrieb hergestellten Lasersysteme gehen in den Export. Das Unternehmen beschäftigt Fachkräfte aus vielen Nationen und Kulturen. Die Kunden seien begeistert, in ihrer Muttersprache, also zum Beispiel auf Arabisch, beraten zu werden. Doch auch die geringe Verfügbarkeit von Fachkräften hat Vitro dazu gebracht, international auf die Suche nach Spezialisten zu gehen. So wurden Fachkräfte aus den Universitäten St. Petersburg und Nowosibirsk eingestellt. Diese gelten auf dem Gebiet der optischen Technologien als führend.
In einem Jahr können nur rund 30 Laser hergestellt werden. Vitro liefert alles aus einer Hand. Sogar die Software werde im eigenen Haus programmiert, merkt Lauen an. Zwischen 50000 und 200000 Euro geben die Auftraggeber aus. Vom handlichen Laser, der ein kleines Porträt in einen Glasblock gravieren soll, bis zur großen Anlage, die Muster in Türscheiben graviert, reicht das Angebot. „Wir bauen die Anlage so groß, wie sie der Kunde haben will“, verdeutlicht Renaud. Die Laser können jedes Material von innen gravieren, das für sie durchsichtig erscheint. Also nicht nur Glas, sondern auch Ceranfelder und Kunststoffe. Dabei wird zunächst aus einer zwei- oder dreidimensionalen Grafik eine sogenannte Punktwolke erstellt. Jeder Punkt reflektiert später das Licht. Das Konterfei eines Menschen hat im Regelfall mehr als 400000 Punkte, wodurch eine hohe Auflösung gewährleistet ist. Der Laser sendet Punkt für Punkt mit einer Frequenz von 4000 Hertz Strahlen durch eine Linse. „Hierbei brauchen wir zwar eine hohe Leistung, aber nur eine geringe Energie“, merkt Renaud an, denn der Laser benötigt nur wenige Minuten für das Gravieren der Motive.
Mittlerweile gibt es viele Anwendungsgebiete für die Technik. Im April 1999 war es die Vitro Laser, die auf der Hannover Messe das weltweit erste Porträt dreidimensional in Glas gravierte. Zur Erfassung des Porträts wird ein hochauflösendes 3-D-Bild erstellt, das anschließend in die Punktwolke konvertiert wird. Inzwischen macht der „3D Facescan“, wie ihn das Unternehmen nennt, den größten Umsatzfaktor aus. „Wir orientieren uns allerdings immer mehr an industriellen Kunden. Auf diesem Gebiet können wir ein besonderes Wachstum verzeichnen“, gibt Renaud bekannt. Besonders die fälschungssichere Kennzeichnung von Verpackungen ist für viele Kunden ein Fortschritt. Durch die Codes, die etwa in Parfüm- oder Medizinflaschen graviert werden, bleiben die Produkte für die Hersteller zurückverfolgbar. Auch die Automobilindustrie nutzt die Laserinnengravur, um die Scheiben der Autos zu kennzeichnen. Des Weiteren versucht das Unternehmen, mit den Scan-Systemen, die für die Erfassung der Porträts verwendet werden, in die Medizintechnik einzusteigen. So bieten sich in der Kieferorthopädie Möglichkeiten für dreidimensionale Aufnahmen.
Ein Vertriebsmodell für den 3D Facescan bietet das Schwesterunternehmen Looxis GmbH, an dem Vitro mit 76 Prozent beteiligt ist. Looxis betreibt in mehr als 15 Ländern rund 60 Shops, in denen man sein Porträt in Glas gravieren lassen kann. Existenzgründern bietet Looxis an, Lizenzpartner zu werden. Weltweit verbucht Looxis jährlich einen Umsatz von 15,5 Millionen Euro. In Deutschland verteilen sich insgesamt neun Shops auf die Städte Berlin, Düsseldorf, Hamburg, Hannover und Wiesbaden, aber auch im firmeneigenen Gebäude in Minden kann man sich Motive in Glas gravieren lassen. Der Preis für die Standardgröße eines Glasporträts, die 50 Millimeter hoch, 50 breit und 80 tief ist, beträgt 59 Euro. Kleinere Ausführungen sind schon für 20 Euro zu haben, größere können bis zu 200 Euro kosten. In den meisten Fällen werde das Glasporträt als Geschenk angefertigt, sagt Lauen.
Es gibt für den Laser aber auch besondere Anwendungen: Im Jahr 2002 schuf der Künstler Dani Karavan im Auftrag der Bundesregierung an der Spreepromenade das Kunstwerk „Grundgesetz 49“, das aus 19 etwa drei Meter hohen Glasplatten besteht, in die die ersten Artikel des Grundgesetzes in der Fassung von 1949 graviert sind. Laut Renaud brachte der Auftrag rund 100000 Euro, aber der Werbefaktor sei viel wichtiger gewesen. In naher Zukunft möchte der Betrieb in den Vereinigten Arabischen Emiraten ein Projekt nach dem Motto „Technologie und Hightech treffen auf Tradition“ starten. Dabei sollen Gedichte der Nabati-Poesie, welche seit dem 16. Jahrhundert ein fester Bestandteil der arabischen Kultur ist, in Glasplatten graviert und im Land verteilt aufgestellt werden.
Das Ziel für die Zukunft ist klar: „Kohle verdienen“, sagt Renaud. „Bis 2012 möchten wir einen Umsatz von 20 Millionen Euro erreichen.“
Christoph Rahe
Gymnasium der Stadt Rahden

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