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Frankfurter Allgemeine Zeitung
Donnerstag, 02. Juli 2009

Wo nicht das Auto, sondern der Kunde frisiert wird
Der mobile Ausweichsalon für Figaros

Es gibt viele Orte, an denen man sich einen neuen Haarschnitt zulegen kann. Doch nur Elmar Weißer, Erfinder des Friseurmobils, fährt seit gut zehn Jahren quer durch die Republik und stellt anderen Friseuren seine fahrbaren Salons zur Verfügung. Der Friseurmeister aus Brigachtal entdeckte damit eine Marktlücke. Immer wieder hörte er von Kollegen, deren Geschäfte von Wasserrohrbrüchen oder Bränden beschädigt wurden oder wegen Umbaumaßnahmen vorübergehend geschlossen werden mussten. Weißer sicherte sich das Patent für seine Idee und begann mit der Umsetzung. Er kaufte einen 7,5-Tonner, dessen Anhänger er mit vier Arbeitsplätzen und einem Waschplatz ausstattete. Zahlreiche Inserate in Fachzeitschriften, eine eigene Homepage und die Kooperation mit Friseureinrichtungsfirmen brachten ihm Aufträge. Bereits im ersten Jahr erzielte er mit seinem bis dahin einzigen Fahrzeug einen Umsatz von 20000 Euro.

Im Folgejahr legte er sich ein zweites Gefährt zu. Der Umsatz verdoppelte sich, so dass 2002 ein großer Sattelschlepper hinzukam, der Platz für acht Kunden und zwei Waschbecken bietet. Nicht nur Friseure aus Deutschland interessierten sich für Weißers Erfindung, auch aus Österreich, der Schweiz und Luxemburg kamen Anfragen. Mittlerweile besitzt Weißer vier Fahrzeuge, mit denen er bereits mehr als 600 Friseurbetriebe unterstützt hat. Bei 70 Prozent seiner Aufträge geht es um Salonumbauten, ein Viertel der Kunden benötigt das Frisiermobil wegen eingetretener Versicherungsfälle, und zu fünf Prozent sind seine Fahrzeuge deutschlandweit auf Messen und Ausstellungen vertreten.

Die Standzeiten variieren zwischen einer Woche und neun Monaten, wofür der fahrende Friseur Rabattstaffelungen des Mietpreises zwischen 5 und 15 Prozent anbietet. Seine Friseurmobile bieten eine Klimaanlage, thermostatgesteuerte Heizung, Stereoanlage, einen ISDN-Anschluss und etliche Verkaufsschränke. Man kann sie für einen Wochenpreis von 840 Euro und eine durchschnittliche Anfahrtspauschale von 390 Euro mieten. Seine großen Fahrzeuge sind teurer, da Weißer diese nicht selbst fahren darf und eine Spedition beauftragen muss. Er bietet sie für 1049 Euro je Woche und eine Anfahrtspauschale von 890 Euro an. Um seine eigenen Transportkosten möglichst niedrig zu halten, sind seine vier Fahrzeuge an verschiedenen Standorten in Deutschland stationiert. So befinden sich im Süden und im Norden je ein kleines und ein großes Mobil. „Sprit- und Abnutzungskosten können auf diese Weise im Rahmen gehalten werden“, sagt Weißer.

Obwohl Weißer mit seinem Umsatz von 130000 Euro im Jahr 2008 sehr zufrieden ist, plant er bereits die Anschaffung eines fünften Fahrzeugs. Dieses soll noch moderner ausgestattet und auf einen Pickup aufsetzbar sein, damit er es selbst fahren kann. „So kommt man wenigstens rum und wird quasi vom Friseur zum Trucker.“

Die Friseurkollegen können dank des Friseurmobils ihre Umsatzverluste im Falle einer zeitweiligen Schließung ihres Salons senken. Die Präsenz am Standort ermögliche die Weiterarbeit am selben Platz, was für die Stammkundschaft eines Friseurs wichtig sei, schließlich soll diese nicht zur Konkurrenz wandern. Wasser und Strom können unkompliziert vom jeweiligen Haus am Standort abgezapft werden. Auch wecke solch ein Friseurmobil die Neugierde bei Neukunden. Weißer weiß, wovon er spricht, denn er selbst hat das Friseurgeschäft seines Vaters übernommen, das mittlerweile 50 Jahre besteht. „Das Friseurmobil ist mein zweites Standbein“, sagt er.

Auf die Idee brachte ihn ein langjähriger Kunde, der im Krankenhaus nach einem Haarschnitt verlangte. Weißer war zur Stelle, damals noch ohne Mobil, und dachte sich, dass das Haareschneiden in einem Krankenhaus doch eigentlich unhygienisch sei und sich ein eigenes Fahrzeug dafür viel besser eignen würde.

Julia Borrmann
St. Ursula-Schulen, Villingen-Schwenningen


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