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Frankfurter Allgemeine Zeitung
Donnerstag, 3. April 2008 |
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Spargelernte ist harte Arbeit. Frühe Sorten reifen im Gewächshaus
Foto dpa |
Den Kopf aus dem Sand stechen
Die Spargelsaison beginnt im April. Der Anbau ist arbeitsintensiv, aber in diesem Jahr scheint es, als kämen die billigen Arbeitskräfte zurück.
Der Volksmund erinnert daran: "Bis Johanni nicht vergessen, sieben Wochen Spargel essen", heißt es zum Beginn der Spargelsaison. Rund 1,2 Kilogramm werden je Kopf in Deutschland verzehrt. Der Verbrauch hat in den vergangenen fünf Jahren um 25 Prozent zugenommen, wie die Statistik der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle für Agrarerzeugnisse (ZMP) zeigt.
Der Erzeugermarkt ist hart umkämpft. Viele Bauern versuchen, durch neue Techniken möglichst früh Spargel anbieten zu können. Das sind beispielsweise beheizbare Felder. "In der Erde unter den Spargelreihen sind Schläuche angebracht, durch die warmes Wasser fließt. Es gibt Höfe, die das warme Abwasser von Kraftwerken nutzen können und dadurch nur minimale Energiekosten zu tragen haben", erklärt Karsten Freyer vom Anbaubetrieb Thiermann aus dem niedersächsischen Kirchdorf-Scharringhausen. Neue Techniken helfen auch, möglichst viel Spargel in kurzer Zeit zu ernten. "Unsere Erntehelfer haben maschinelle Hilfen, die ihnen das Anheben der Folie und den Transport des Spargels über die Felder abnehmen", erläutert Jürgen Jakobs, einer von zwei Geschäftsführern eines Beelitzer Anbaubetriebs. Auf diese Technik setzt auch der Spargelanbaubetrieb Buschmann & Winkelmann in Klaistow. "Durch diese Maschinen können wir die Erntehelfer um 35 Prozent entlasten", gibt Ernst-August Winkelmann an, der Geschäftsführer und Inhaber des Hofes.
Im vergangenen Jahr lag nach Angaben des Statistischen Bundesamts der Ernteertrag mit 5 Tonnen je Hektar stolze 16 Prozent über dem sechsjährigen Mittel. Die wichtigsten Absatzwege sind die Direktvermarktung und der deutsche Großmarkt. Man findet deutschen Spargel auch im europäischen Ausland, allerdings nicht in solchen Mengen. Lediglich 2,2 Prozent (2100 Tonnen) haben die deutschen Spargelerzeuger laut Michael Koch von der ZMP im vergangenen Jahr exportiert, wovon die größten Mengen nach Frankreich und Österreich ausgeliefert wurden. Wenn das Angebot der deutschen Spargelbauern im Frühjahr noch nicht ausreichend ist, kommt der Großteil der Spargeleinkäufe aus anderen Ländern. So hatte der ausländische Spargel im April 2006 einen Marktanteil von fast 72 Prozent. Einen Monat später war er schon auf 20 Prozent gesunken.
Im Jahr 2007 hat der deutsche Spargelanbau mit 18610 Hektar seine größte Flächenausdehnung erreicht. Bei einem Ernteertrag von 5 Tonnen je Hektar ergibt sich daraus eine Gesamternte von 93000 Tonnen. Die größten Spargelanbaugebiete gibt es in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg, sie machen mehr als die Hälfte der deutschen Spargelanbauflächen aus. Laut ZMP liegt der Durchschnittserlös bei 2920 Euro je Tonne. Daraus resultiert ein Gesamtumsatz von rund 272 Millionen Euro für die deutschen Spargelerzeuger; er wird fast ausschließlich in den Monaten März bis Juni erwirtschaftet.
Die traditionsreichen Sorten, zum Beispiel "Ruhm von Braunschweig" oder "Frühbote", werden nur noch selten angepflanzt. Aufgrund geringer Erträge und ihrer hohen Anfälligkeit für Krankheiten sind sie nicht mehr wirtschaftlich. Heute werden hauptsächlich männliche Hybride angebaut, die vor allem eine bessere Widerstandsfähigkeit aufweisen. Während der oberirdisch wachsende Grünspargel seine Farbe durch die Sonneneinwirkung erhält, wird der Bleichspargel durch sandige Dämme vor der Sonne geschützt und behält somit seine weiße Farbe. Er schmeckt mild. Der Grünspargel ist würziger, er ist besonders in Frankreich beliebt.
Ein Problem ist laut Nicole Ketterer, Geschäftsführerin des Verbands Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer, dass viele Saisonkräfte ihre Arbeitsverträge stornieren. "Ein Grund ist mit Sicherheit der Aufschwung der polnischen Wirtschaft. Viele finden im eigenen Land eine Beschäftigung und sind nicht mehr auf die Saisontätigkeit angewiesen." Andere finden durch Polens Beitritt zur EU auch in anderen Ländern Arbeitsplätze. Dort seien die Stundenlöhne attraktiver. In Deutschland erhalten die Erntehelfer deutlich weniger: "In Baden-Württemberg liegt der Tariflohn bei 5,35 Euro. Die meisten Betriebe bezahlen aber einen Leistungslohn, so dass gute Leute mit rund 9 Euro rechnen können", erläutert Ketterer. Der Erntehelfer-Mangel war im vergangenen Jahr so groß, dass Bauern bis zu 15 Prozent ihrer Flächen stilllegen mussten. Allerdings berichten auch viele Landwirte, dass Arbeitskräfte, die im letzten Jahr abgewandert sind, nun wieder zurückkehren. Der Grund sei die Verpflegung und die Unterkunft, die die Saisonkräfte in Deutschland unentgeltlich erhielten, sagt die Geschäftsführerin.
Dies bestätigt Spargelbauer Winkelmann: "Viele Erntehelfer kommen zu uns zurück. Die Arbeiter interessiert schließlich nur, was unterm Strich übrigbleibt. Wir haben für unsere Saisonkräfte eine alte Kaserne gekauft und umgebaut." Des Weiteren betont Ketterer, dass die Betriebe gerne deutsche Arbeitskräfte einstellen, beispielsweise für den Verkauf oder als Fahrer, allerdings sei in der Ernte, die körperlich sehr anstrengend ist, die Arbeitsqualität deutscher Arbeitsloser nicht akzeptabel.
Der Verbraucherpreis lag 2007 durchschnittlich bei 4,86 Euro je Kilogramm. Im April kostete ein Kilogramm noch 12 Euro, sechs Wochen später waren es 3,50 Euro, weil das Angebot dann größer war. Preisunterschiede gibt es auch in den unterschiedlichen Handelsklassen.
Die Gründe für den im Vergleich zu anderen Gemüsesorten hohen Preis liegen vor allem in der aufwendigen Produktion. Die Ernte wird zum größten Teil immer noch in Handarbeit ausgeführt. "Mindestens 50 Prozent des Spargelpreises entfallen auf Lohnkosten", sagt Jakobs. Um ein Kilogramm zu ernten, muss der Erntehelfer 20 Stangen Spargel stechen. Aber auch die Pflege der Pflanzen beansprucht viel Zeit. Nach der Saison müssen die Spargeldämme entfernt werden, die Pflanzen gedüngt, eventuell sogar bewässert und Neupflanzungen durchgeführt werden. "Diese Feldarbeit wird oft unterschätzt, und ich werde öfters gefragt, was Spargelanbauer eigentlich mit der vielen Freizeit nach dem 24. Juni anfangen", meint Ketterer.
"Wir bebauen 150 Hektar Spargel und beschäftigen während der Ernte 300 ausländische Erntehelfer", sagt Jakobs. Im vergangenen Jahr habe der Hof 800000 Kilogramm Spargel geerntet, als Umsatz seien 3,2 Millionen Euro erwirtschaftet worden. "Für dieses Jahr erwarten wir aber noch mal 200000 Kilogramm Spargel mehr", verrät Jakobs. Winkelmanns Hof ist noch etwas größer. "Wir haben etwa 350 Hektar Fläche, auf der Spargel angebaut wird, und beschäftigen während der Saison 600 bis 700 Arbeiter. Im vergangen Jahr haben wir rund 2500 Tonnen Spargel geerntet", erklärt Winkelmann.
Schon in der Antike war Spargel etwas Besonderes. Der römische Kaiser Diokletian ließ den Spargelpreis im Jahr 304 aufgrund des teuren und arbeitsintensiven Anbaus durch Erlass regeln.
Christoph Rahe, Gymnasium der Stadt Rahden

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